Coronaimpfung: Es darf keinen Engpass bei Spritzen und Kanülen geben

Deutsches Ärzteblatt vom 12.3.2021

Bund und Europäische Union (EU) müssen sicherstellen, dass für das Impfen gegen SARS-CoV-2 aus­reichend Verbrauchsmaterialien wie Spritzen und Kanülen zur Verfügung stehen. Das hat der Präsi­dent der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Klaus Reinhardt, angemahnt.

Hintergrund ist der Beschluss von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) und seinen Länder­kolle­gen. Darin heißt es, es sei zwar nach Angaben der Hersteller für alle vorzunehmenden Impfungen ausrei­chend Material vorhanden.

Allerdings sei ein Großteil des Impfzubehörs aktuell durch Reservierungen der Länder bei den Herstell­ern gebunden. Dies erschwere die Bestellungen des Großhandels, um die Arztpraxen zeitgleich mit den Impfstoffen auch mit dem Impfzubehör ausstatten zu können. Um Arztpraxen einbeziehen zu können, sei eine „neue Aufteilung zwischen Impfzentren und Arztpraxen“ möglich und notwendig.

Bund, Länder, Großhandel und Hersteller von Impfzubehör wollen demnach „zeitnah“ in einer gemeinsa­men Schalte erörtern, wie dies so aufgelöst werden könne, damit „sowohl in den Impfzentren der Länder wie in den Arztpraxen in ausreichendem Maß Impfzubehör vorhanden“ sein werde.

Reinhardt sprach sich auch dafür aus, dass „so schnell wie möglich auf aufwendige Prüfverfahren zur Einhaltung der Impfreihenfolge“ verzichtet wird. Es sei angemessen, dass zunächst vor allem immobile Patienten in der eigenen Häuslichkeit sowie Personen mit Vorerkrankungen geimpft werden sollten.

„Ärzten sollte darüber hinaus die Möglichkeit eingeräumt werden, in Einzelfällen von diesem Impfsche­ma abweichen zu können, wenn dies aus ihrer fachlichen Sicht medizinisch geboten ist“, erklärte der Präsident der Bundes­ärzte­kammer.

Wenn die Engpässe überwunden seien, müssten den Haus- und Fachärzten deutlich mehr Spielräume bei der Entscheidung über die Impfreihenfolge eingeräumt werden. „Schließlich wissen sie am besten, wel­che Patienten besonders gefährdet sind. Damit wir möglichst bald zu diesem Punkt kommen, müssen Bund und EU auf die Einhaltung der zugesagten Liefermengen drängen.“

Reinhardt sieht Bund und Länder in der Pflicht, alles dafür zu tun, dass vor dem möglichen Impfstart in Arztpraxen zum 19. April ausreichend Impfstoff gegen SARS-CoV-2 vorhanden ist.

„Wenn alle Impfzentren unter Volllast laufen, vor allem aber 50.000 Arztpraxen in die Impfkampagne eingebunden werden, haben wir eine echte Chance, bis zum Sommer allen Erwachsenen ein Impfan­ge­bot zu machen“, sagte er.

Gut sei, dass die Praxen nicht mit unnötigen Verwaltungsaufgaben belastet werden sollen. Das würde nur viel Zeit kosten, die für die Versorgung der übrigen Patienten benötigt werde. © may/aerzteblatt.de


Klaus Reinhardt, Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) /picture alliance, Gregor Fischer

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