Coronaimpfstoff: Liefermenge erreicht, Impfziel verfehlt

Deutsches Ärzteblatt vom Mittwoch, 31. März 2021

Die für das erste Quartal in der Europäischen Union (EU) erwartete Menge an Coronaimpfstof­fen wird nach offiziellen Angaben erreicht. Deutschland und viele andere Länder haben allerdings das EU-Impfziel für Menschen über 80 Jahre nach jüngsten Daten verfehlt.

Bis Ende der Woche würden 107 Millionen Impfdosen an die EU-Staaten ausgeliefert, teilte die EU-Kom­mission heute mit. Auch der britisch-schwedische Hersteller Astrazeneca halte sein zuletzt zusammen­gekürztes Ziel von 30 Millionen Dosen in etwa ein.

Die Liefermenge für das erste Quartal einschließlich der laufenden Woche betrage für Astrazeneca 29,8 Millionen, für Biontech/Pfizer 67,5 Millionen und für Moderna 9,8 Millionen Dosen. Die EU-Kommission hatte zuletzt ein Ziel von etwa 100 Millionen Impfdosen für das erste Quartal und bis zu 360 Millionen für das zweite Quartal gesteckt.

Seit dem 30. Januar sind aus der EU insgesamt 68,3 Millionen Impfdosen an 41 Länder in aller Welt ex­por­tiert worden, wie eine Kommissionssprecherin weiter mitteilte. Hersteller hätten bis vorgestern 491 Export­anträge gestellt. Davon seien 483 genehmigt worden, sieben würden noch geprüft. Nur ein Antrag wurde abgelehnt: Italien stoppte Anfang März eine Lieferung von 250.000 Astrazeneca-Impfdosen an Australien.

Verfehlt wurde unterdessen vielfach das Ziel der EU-Kommission, mindestens 80 Prozent der Menschen über 80 Jahre bis Ende März gegen das Coronavirus zu impfen. Gemeldete Daten aus deutschen Bundes­ländern liegen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) deutlich darunter. Auch EU-weit wird diese Quote nach Angaben der Gesundheitsbehörde ECDC bei weitem nicht erreicht.

Wie das RKI heute mitteilte, liegt der Wert für die Erstimpfung bei Menschen über 80 Jahre zwischen 59 Prozent für die Region Nordrhein in Nordrhein-Westfalen (NRW) und 79,5 Prozent für Schleswig-Holstein. Vollständig mit zwei Impfdosen geschützt sind in dieser Gruppe noch viel weniger Menschen – zwischen 26 Prozent in Schleswig Holstein und 47 Prozent in Niedersachsen. Eine bundesweite Impfquote gebe es bei dieser Altersgruppe nicht, da die Daten nur aus neun Bundesländern vorlägen, hieß es.

Mitte Januar hatte die EU-Kommission von Ursula von der Leyen ihre Ziele gesetzt. Bis März sollten die EU-Staaten demnach mindestens 80 Prozent des Personals in Gesundheits- und Sozialberufen und der über 80-Jährigen impfen; bis Sommer sollten es mindestens 70 Prozent der Erwachsenen sein.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach zuletzt immer wieder davon, dass allen Bürgern in Deutschland bis Ende Sommer ein Impfangebot gemacht werden solle. Genügend Impfstoff für das März-Ziel sei an die EU-Staaten geliefert worden, betonte eine Sprecherin der EU-Kommission.

Bereits im Januar hatte die EU-Kommissi­on betont, dass es „sowohl aus Gründen des Gesundheitsschut­zes als auch des Binnenmarkts“ wichtig sei, die Impfanstrengungen in Europa aufeinander abzustimmen. Erste Daten deuteten damals auf erhebliche Unterschiede in den EU-Staaten hin.

Dieser Trend bestätigt sich nun. Nach jüngsten ECDC-Daten haben EU-weit knapp 60 Prozent der über 80-Jährigen die erste Impfdosis bekommen, vollständig wurde nur jeder Dritte geimpft. Doch melden einige EU-Staaten – darunter auch Deutschland – die Daten nicht aufgeschlüsselt nach Altersgruppe an die EU-Behörde.

Mit Blick auf den gesamten Impfschutz mit zwei Spritzen wurde das EU-Ziel den Daten zufolge in kei­nem Mitgliedsland erreicht. Es führen Malta (knapp 70 Prozent), Dänemark (52) und Slowenien (47). Schlusslichter sind Bulgarien (0,7 Prozent) und Lettland (0,6).

In beiden Ländern herrscht Impfstoffknappheit, weil Astrazeneca deutlich im Lieferverzug ist. In Bulga­rien haben die über 80-Jährigen auch nicht Vorrang beim Impfen. Bei der Erstimpfung haben Malta, Ir­land, Schweden und Finnland das 80-Prozent-Ziel erreicht. Portugal und Dänemark liegen knapp drunter.

Vom Personal in Gesundheitsberufen wurden im Schnitt 60 Prozent zumindest einmal geimpft. Aller­dings werden diese Daten nur von 13 EU-Staaten ans ECDC gemeldet. Die EU-Behörde betont, dass die Daten der aktuellen Woche stets mit Vorsicht zu betrachten seien und nachträglich noch verändert wer­den könnten. Auch dem RKI liegen für Deutschland keine Daten für das Personal in Gesundheits- und Sozialberufen vor.

Die EU-Staaten hatten sich bei ihrem Videogipfel im Januar ausdrücklich hinter das Ziel für den Sommer gestellt, wie von der Leyen und EU-Ratschef Charles Michel damals deutlich machten. Zur Vorgabe für Ende März äußerten beide sich nicht ausdrücklich. © dpa/aerzteblatt.de


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