Coronaimpfstoff: Ärzte warnen vor Verfall von Millionen Dosen

Deutsches Ärzteblatt vom Dienstag, 17. August 2021

n Deutschlands Arztpraxen droht nach Einschätzung von Deutschlands Vertragsärzten millio­nenfach Coronaimpfstoff zu verfallen.

Nach Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) lagern in den Praxen derzeit 1,1 Millionen Dosen von Astrazeneca und 0,4 Millionen von Johnson & Johnson, wie aus einem Bericht des Zentralins­ti­tuts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hervorgeht. Diese Dosen drohten als Sondermüll entsorgt werden zu müssen, sagte ein Zi-Sprecher.

Zudem sind nach dem Bericht 1,7 Millionen Dosen von Biontech in den Praxen auf Lager. Hier sei eher zu erwarten, dass sie noch gebraucht würden. Das ARD-Politikmagazin „Report Mainz“ und der Spiegel be­richteten zuerst darüber.

Der Vorsitzende des Instituts, Dominik von Stillfried, forderte eine Rücknahme ungenutzter Impfstoffe aus den Arztpraxen. Dies sei heute rechtlich und organisatorisch nicht möglich. „Das Bundesgesundheits­minis­terium wird voraussichtlich zwischen zwei und 2,5 Millionen Impfdosen aus den Impfzentren ein­sammeln“, sagte von Stillfried.

Er forderte besondere Regelungen, um die mindestens 1,5 Millionen verfallsgefährdeten Impfdosen aus den Praxen zurückzunehmen. Dann könnten sie an Länder mit Impfstoffmangel gespendet werden.

Hauptgründe für den drohenden Verfall sind nach Einschätzung des Zentralinstituts die geringe Impfber­eitschaft noch nicht Geimpfter sowie das schlechte Image vor allem des Astrazeneca-Vakzins.

In der vergangenen Woche hatte eine dpa-Umfrage gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Bundesländer bisher keine von den an die Impfzentren der Länder gelieferten Impfstoffe vernichten mussten.

Neun der 16 Landesregierungen gaben an, dass eine Entsorgung von Corona-Impfstoff weitgehend vermieden werden konnte. Die Impfzentren etwa in Bayern aber entsorgten demnach bis dahin bereits rund 53.000 ungenutzte Impfdosen.

In einem Schreiben hatte das Bundesgesundheitsministerium den Ländern die Möglichkeit eröffnet, nicht mehr benötigten Impfstoff als Spende für „Drittstaaten“ an das Zentrallager des Bundes zurückzu­geben – vorausgesetzt, der Wirkstoff ist noch lange genug haltbar. © dpa/aerzteblatt.de


/picture alliance, Marcus Brandt

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