Corona: STIKO empfiehlt Auffrischimpfung bereits nach drei Monaten

Deutsches Ärzteblatt vom Dienstag 21.12.2021


Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Auffrischimpfungen gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 wegen der Omikron-Variante bereits nach mindestens drei statt wie bisher nach sechs Monaten. Das gelte ab sofort, teilte das Gremium heute mit.

Wie das Epidemiologische Bulletin 2/2022 ausführt, kann die Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impf­stoff für Personen ab 18 Jahren bereits ab dem vollendeten 3. Monat nach Abschluss der Grundimmu­ni­sierung verabreicht werden.

Personen, die eine labordiagnostisch gesicherte SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, sollen dem­nach bis auf weiteres eine einmalige COVID-19-Impstoffdosis im Abstand von mindestens drei Monaten zur Infektion erhalten.

Wegen des höheren Risikos für einen schweren COVID-19-Verlauf sollen ältere oder vorerkrankte Perso­nen bei den Auffrischimpfungen unbedingt bevorzugt berücksichtigt werden, schreibt die STIKO in ihrer Aktualisierung.

Ziel der Maßnahmen sei es „durch diese forcierte Auffrischimpfkampagne und den verkürzten Impfab­stand schwere Verläufe von COVID-19 zu verhindern und die Transmission insbesondere der sich ausbrei­tenden OmikronVariante zu vermindern“.

Die STIKO betonte weiterhin, dass beide mRNA-Impfstoffe (Comirnaty und Spikevax) hinsichtlich ihrer Wirksamkeit gleichwertig seien.

Aktuelle Daten deuteten auf einen deutlich verringerten Impfschutz nach der Grundimmunisierung ge­gen­über der Omikron-Variante hin, erklärte die STIKO. Dieser nehme nach drei bis vier Monaten signifi­kant ab.

Nach einer Auffrischimpfung steige die Schutzwirkung vor symptomatischer Infektion mit der Omikron-Variante jedoch wieder deutlich an. Es sei derzeit davon auszugehen, dass auch der Schutz vor schweren Verläufen zunehme. Zur Dauer des Schutzes könne man derzeit noch nichts sagen.

Die STIKO hatte bisher empfohlen, dass eine Auffrischimpfung in der Regel im Abstand von sechs Mona­ten zur letzten Impfstoffdosis der Grundimmunisierung erfolgen soll. Eine Verkürzung des Impfabstandes auf fünf Monate konnte „im Einzelfall oder wenn genügend Kapazitäten vorhanden sind erwogen wer­den“.

Für Immungeschwächte war bereits ein noch kürzerer Abstand zwischen zweiter und dritter Dosis mög­lich. Bei der Änderung von heute handelt sich im Unterschied zu manchen früheren Aktualisierungen bereits um eine finale STIKO-Empfehlung.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte kürzlich mitgeteilt, dass Booster-Impfungen schon nach drei Monaten erfolgen können. Auch Biontech-Gründer Ugur Sahin hatte sich wegen Omikron für eine frühere dritte Impfung ausgesprochen. Im Land Berlin war der auf drei Monate verkürzte Impfabstand in Hinblick auf eine erwartete STIKO-Empfehlung bereits am Montag angekündigt worden.

Das RKI schätzt das Risiko für zweifach Geimpfte und Genesene seit gestern wegen Omikron als hoch ein. Für Ungeimpfte bleibt es demnach „sehr hoch“. Für Menschen mit Auffrischimpfung sprach das Insti­tut von moderatem Risiko. Wissenschaftler haben Omikron-Ansteckungen auch schon bei Menschen dokumentiert, die bereits eine Auffrischimpfung erhalten hatten.

Fachleute betonten, dass Boostern allein gegen die stark mutierte Omikron-Variante nicht ausreichen dürfte. „Eine massive Ausweitung der Boosterkampagne kann die Dynamik verlangsamen und damit das Ausmaß mindern, aber nicht verhindern“, hieß es etwa in einer Stellungnahme des neuen Expertenrats der Bundesregierung, dem auch STIKO-Chef Thomas Mertens angehört.

Laut mathematischer Modelle könne eine Überlastung des Gesundheitssystems und die Einschränkung der kritischen Infrastruktur nur „zusammen mit starken Kontaktreduktionen eingedämmt werden“. Ähn­lich äußerte sich heute auch das Robert-Koch-Institut.

Als wenig sinnvoll hatten Immunologen hingegen das Boostern bei immungesunden Menschen nach noch kürzerer Zeit beurteilt, etwa nach vier Wochen. Der Booster wirke dann viel schlechter, weil bestimmte immunologische Prozesse noch nicht abgeschlossen seien.


/dpa, Wolfgang Kumm

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