Corona-Schnelltest: Teste sich, wer kann

Die Zeit ONLINE vom 4.3.2021

Von Montag an soll jeder Bürger Anspruch auf einen kostenlosen Corona-Test pro Woche haben. Wie soll das funktionieren und was bedeutet das genau?

Von Ferdinand Otto, Zacharias Zacharakis, Maria Mast und Nicolas Heronymus

Von Montag an soll sich jeder und jede in Deutschland einmal pro Woche kostenlos einem Corona-Schnelltest unterziehen können. Auch sollen Selbsttests möglichst bald im Handel verfügbar sein. Darauf verständigten sich die Ministerpräsidentenkonferenz und die Bundesregierung am Mittwochabend. Die Tests stellen damit ein zentrales, neues Instrument in der Pandemiebekämpfung dar. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick

Welche Tests sind nun verfügbar?

Der Discounter Aldi ist wohl das erste Handelsunternehmen in Deutschland, das ab diesen Samstag einen Selbsttest für den Heimgebrauch anbieten wird. Doch auch andere folgen in den kommenden Tagen. Die Drogeriemärkte dm und Müller haben angekündigt, ab der kommenden Woche Selbsttests in ihr Sortiment zu nehmen. Bei Rossmann soll es die Tests voraussichtlich ab 17. März geben. Allerdings weisen die Drogerieketten noch auf Unsicherheiten bei der Auslieferung ihrer Ware hin. Die Hersteller hätten zwar zugesichert, die Tests zum vereinbarten Zeitpunkt bereitzustellen, wegen des Neujahrsfest in China könne es aber Verzögerungen geben. Verfügbar werden die Selbsttests für den Heimgebrauch ebenfalls in den Apotheken sein. Dort können sich die Kunden zwar auch vom Personal direkt vor Ort testen lassen – oder sie kaufen ein Testkit und wenden ihn selbst zu Hause an. Geliefert werden die Sets von diversen Herstellern, das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat sechs Schnelltests verschiedener Marken für den Heimgebrauch zugelassen. Kosten sollen sie im Handel pro Stück zwischen fünf und zehn Euro, angeboten werden sie teilweise in Packungen mit mehreren Stück.

Was sind die Unterschiede?

Bei beiden handelt es sich um sogenannte Antigen-Schnelltests, die akute Infektionen erkennen. Sie ermitteln, ob Virusproteine (Antigene) in der Probe enthalten sind, und liefern im Unterschied zu PCR-Tests bereits nach 15 Minuten ein Ergebnis. Für die Antigen-Schnelltests, die es bislang in Kliniken, Arztpraxen oder Pflegeheimen gab und die nun auch einmal wöchentlich kostenlos angeboten werden sollen, ist ein Hals-Nasen-Abstrich nötig, bei dem ein Wattestäbchen durch die Nase oder den Mund bis an die Rachenwand geschoben wird. Für den Laien ist das schwierig, deshalb sind diese Tests auch nicht als Selbsttest zugelassen, sondern werden etwa bei Ärzten oder in Testzentren durchgeführt. Bei den neuen Tests, die jetzt auf den Markt kommen, handelt es sich ebenfalls um Antigen-Schnelltests – bei ihnen wird der Abstrich aber einfach vorne in der Nase genommen. Sie werden deshalb auch Popeltests genannt. Beide Antigen-Schnelltest-Typen scheinen ersten Studie zufolge vergleichbar sichere Ergebnisse zu liefern (Preprint: Lindner et al., 2020).

Wann soll ich einen Test machen?

Antigen-Schnelltests weisen die akute Infektiosität einer Person nach: Sie zeigen an, ob jemand gerade besonders infektiös ist und damit eine Gefahr für andere. Wer also an einem bestimmten Tag einen Besuch bei Personen aus einer Risikogruppe plant, dem können die Tests etwas mehr Sicherheit geben. Ist der Antigen-Schnelltest negativ – egal, ob er zu Hause oder anderswo gemacht wurde –, heißt das, dass die Testperson für die nächsten Stunden sehr wahrscheinlich nicht ansteckend ist. Das Virus könnte sie trotzdem in sich tragen, denn der Test zeigt nur, dass die Viruslast aktuell nicht über einem bestimmten Grenzwert liegt. Ihr Nachteil ist also, dass sie im Vergleich zum PCR-Test erst ab einer höheren Viruslast anschlagen und deshalb vielleicht nicht jede Infektion entdecken. Sie erkennen aber, wer akut eine besonders große Gefahr für den Freund oder die Großtante ist – und deshalb auf einen Besuch verzichten sollte.

Wie soll das Testen genau ablaufen?

Über kurz oder lang werden wohl die Selbsttests eine zentrale Rolle spielen – der Bund will davon schnell mehr beschaffen, doch noch gibt es nicht genug. Bis dahin sollen kommunale Testzentren und niedergelassene Ärzte testen. Länder und Kommunen können außerdem Dritte mit Tests beauftragen. Das hat einen Vorteil gegenüber den Tests für daheim: Das Ergebnis wird beglaubigt. Das ist dann wichtig, sollte ein negativer Corona-Test Bedingung werden etwa fürs Reisen oder einen Kinobesuch. Testzentren gibt es ja heute schon an vielen Ecken. Wer sich dort freiwillig abstreichen lassen will, muss bisher bezahlen.

Sind genug Tests da?

Das Bundesgesundheitsministerium teilt dazu auf Anfrage von ZEIT ONLINE mit, es seien genügend vorhanden: "150 Millionen Schnelltests liegen laut Herstellerangaben bereits heute auf Halde und können direkt geliefert werden." Insgesamt hat der Bund 800 Millionen Tests für dieses Jahr gesichert. Sowohl Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller als auch Bayerns Ministerpräsident Söder geben dazu eine ambivalente Antwort: Es gebe derzeit zu wenig Tests, um den Lockdown überflüssig zu machen. Er hoffe auf eine "umfangreiche Vorsorge" des Bundes bis April, sagt Söder. In Bayern könne sich Lehrerinnen und Lehrer bereits kostenlos testen lassen, zweimal pro Woche. Allerdings nehmen laut Söder nur 40 Prozent derzeit das Angebot an. In Berlin sei das Bild ähnlich. Ob Jens Spahns Versprechen vom Test für jedermann aufgeht, dürfte also ganz entscheidend davon abhängen, wie viele Menschen das Angebot nutzen.

Was kostet das den Bund?

Auch das kommt ganz darauf an, wie viele Menschen sich wie oft testen lassen wollen. Die Nachrichtenagentur dpa berichtete Anfang der Woche unter Berufung auf ein Papier aus dem Gesundheitsministerium: Man schätze die Kosten auf irgendwas zwischen 540 Millionen bis 810 Millionen Euro pro Monat.

Wer beschafft die Tests?

Der Bund wird den Großteil übernehmen, in Kooperation mit den Ländern. Am Mittwochabend kündigte die Kanzlerin darüber hinaus eine Zusammenarbeit mit privaten Plattformanbietern an. Das Bundesgesundheitsministerium richtet jetzt gemeinsam mit dem Verkehrsministerium eine Taskforce ein, um die Bestellung noch zu optimieren, wie es heißt. Darüber hinaus haben aber die Länder längst begonnen, sich selbst einzudecken. Bayern habe mehr als 100 Millionen Tests für dieses Jahr bestellt und bereits Millionen im Umlauf, sagte Söder nach einer Kabinettssitzung am Mittag.

Was tun, wenn der Selbsttest positiv ist?

Wenn der Test daheim ausschlägt, weisen Bund und Länder in ihrem Beschluss vom Mittwochabend eindringlich darauf hin, dass sich der Betroffene sofort in Quarantäne begeben muss und zur Sicherheit einen PCR-Test abnehmen lassen soll. Dieser ist dann kostenlos.



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