Corona: Impfung in Arztpraxen ermöglicht Erstimpfung für alle Bürger bis Juli

Deutsches Ärzteblatt vom 24.2.2021

Eine SARS-CoV-2-Erstimpfung der erwachsenen Bevölkerung könnte günstigstenfalls schon in der ersten Julihälfte, die vollständige Immunisierung Anfang August abgeschlossen sein, wenn weitere Impfstoffe kurzfristig zugelassen und alle verfügbaren Impfdosen schnellstmöglich verimpft werden. Dies ist das zentrale Ergebnis von heute vorgestellten Analysen des Zentralinstituts für die kassenärztli­che Versorgung (Zi).

Wie Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), und Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV, betonten, müssten dazu seitens der Politik zeitnah die notwendigen Rahmenbedingungen für das Impfen in Arztpraxen geschaffen werden.

„Jede zusätzliche Impfung reduziert die Gefahr einer Ansteckung sowie das Risiko schwerer Krankheits­verläufe. Je größer der Anteil der Geimpften in der Bevölkerung, umso weniger müssen wir uns mit den Konsequenzen des Lockdowns auseinandersetzen“, sagte Gassen. Vielmehr komme es jetzt auf jeden Tag und jede Wo­che an. Sobald es genügend Impfstoffe gebe, müssten die niedergelassenen Ärzte in die nationale Impfkampagne einbezogen werden.

Die Kapazität der Impfzentren werde nach Überwindung der zum Start der Impfkampagne aufgetretenen Engpässe bei den Vakzinen trotz „maximalen Engagements“ nicht ausreichen, so Gassen. Bezüglich der Vorbereitungen, etwa zur patientenindividuellen Priorisierung und der Sicherstellung der Lieferketten, sei man „auf gutem Wege“. Ein Start der Impfungen in den Praxen sei in der ersten Hälfte des zweiten Quartals möglich.

Zu der Frage, wie die Impfstoffe in die Praxen gelangten, hätten KBV, Apothekerverbände und Pharma­großhandel bereits gemeinsam praktikable Vorschläge erarbeitet, erläuterte Hofmeister. Auch zur Impf­dokumentation habe die KBV ein für die Praxissoftware taugliches sowie unbürokratisches Verfahren de­finiert. Ebenso seien dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) Vorschläge zur Honorierung der Im­pfungen in Praxen vorgelegt worden.

„Wir haben die nötigen Vorarbeiten zu allen Voraussetzungen für das Impfen in den Praxen geleistet. Jetzt setzen wir auf eine schnelle Anpassung der Impfverordnung“, so Hofmeister.

Die KBV-Vorstände wiesen darauf hin, dass auch in den Praxen eine individuelle Auswahl bei den Impf­stoffen zunächst nicht möglich sein werde. Solche individuellen Präferenzen gelte es als Komplika­tion herauszuhalten, sonst drohten Verzögerungen. Man werde das Vorhandene anhand der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission verimpfen.

Wie Dominik von Stillfried, Vorstandsvorsitzender des Zi, anhand der Zi-Analysen erläuterte, sähen die Bundesländer die Tageskapazität der Impfzentren derzeit bei rund 340.000 Dosen und schätzen, dass diese im März auf über 550.000 gesteigert werden könnte.

Trotzdem werde das Kapazitätspotenzial von mehr als einer Million Impfungen pro Tag in den Vertrags­arztpraxen zusätzlich genutzt werden müssen, um einen Impfstau zu vermeiden, wenn die zugesagten Impfstoffdosen in den nächsten Wochen wie erwartet ausgeliefert werden. © aha/aerzteblatt.de


/picture alliance, Bernd Wüstneck


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