Corona: Abschied vom unkomplizierten Gratistest für alle

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 8. Oktober 2021


Ohne Impfung wird der Coronaalltag ab der kommenden Woche für viele Menschen in Deutsch­land komplizierter – und auch teurer. Denn Schnelltests, die Nicht-Geimpfte inzwischen häufig für den Zugang zu Restaurants oder Veranstaltungen benötigen, sind ab dann nicht mehr einfach für alle gratis.

So wurde es mit mehreren Wochen Vorlauf angekündigt, jetzt ist es so weit. Das soll durchaus auch einen praktischen Anreiz für noch zögernde Menschen bedeuten: Tests werden mühsamer und kosten nun meis­tens etwas, Impfungen eben nicht. Es gibt aber auch Warnungen.

Schnelltests durch geschultes Personal samt Ergebnisbescheinigung muss man künftig in der Regel selbst bezahlen. Gratis bleiben sie noch für Menschen, die sich nicht impfen lassen können. Das legt eine Verordnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) fest, die einen Bund-Länder-Beschluss umsetzt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten hatten im August vereinbart, dass das vom Bund seit März finanzierte Angebot mit kostenfreien „Bürgertests“ für alle auch ohne Coronasymp­to­me enden soll. Da kostenfreie Impfungen für alle möglich seien, sei eine dauerhafte Übernahme der Test­kosten durch die Steuerzahler nicht länger nötig, hieß es zu Begründung. Allerdings werden die Regeln in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich umgesetzt.

Vorgesehen sind zumeist Übergangsregeln. So können Kinder von zwölf bis 17 Jahren und Schwangere noch bis zum 31. Dezember mindestens einen Test pro Woche gratis machen. Denn für sie gibt es erst seit kürzerer Zeit eine allgemeine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO), sie sollen daher mehr Zeit für Impfungen haben.

Gratistests bekommen generell weiter Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. Ebenso Kinder, die das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder erst in den letzten drei Monaten vor dem Test zwölf geworden sind. Denn für sie gibt es noch keinen Impf­stoff. Kostenfrei bleibt es unter anderem auch für Menschen, die zum Beenden einer Quarantäne wegen einer Coronainfektion einen Test brauchen.

Um auch weiterhin kostenfreie Tests zu bekommen, muss man bei der Teststelle einen amtlichen Ausweis mit Foto vorlegen – bei Kindern ist so auch das Alter zu belegen. Extra Nachweise wie ein ärztliches Zeugnis sind nötig, wenn man sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen kann – eine Diagnose muss nach Ministeriumsangaben nicht angegeben werden. Drauf stehen müssen aber Name, Anschrift und Geburtsdatum sowie Angaben zum Aussteller des Attests. Zum Nachweis einer Schwangerschaft kann der Mutterpass genutzt werden.

Wie teuer Tests werden, muss sich unter den neuen Marktbedingungen erst noch zeigen. Zuletzt gingen Angebot und Nachfrage wegen immer mehr Impfungen zurück. So waren auf einem Infoportal zeitweise rund 6.000 Apotheken zu finden, die Tests vornehmen. Inzwischen sind es nach Verbandsangaben noch 4.400.

Generell zu kalkulieren sei mit Kosten für Material, separate Räume und Personal. Bisher bekommen An­bieter pro Schnelltest 11,50 Euro Vergütung, für genauere PCR-Tests gibt es etwa 43 Euro. Für Selbstzah­ler sind diese aber oft teurer – umso mehr, je schneller das Laborergebnis kommt. Die Bundesregierung wies darauf hin, dass Beschäftigte sich in Unternehmen kostenfrei testen lassen können.

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen warnte, die Umstellung komme zu früh. „Ohne Gratis­tests werden wir weniger Testergebnisse bekommen, mehr Infektionen werden unerkannt bleiben“, sagte er. „Wir laufen in eine Schattenpandemie.“

Statt kostenlose Tests zu streichen, sollten sie mit der Impfkampagne verknüpft werden. „Wer eine Impf­beratung annimmt, sollte im Gegenzug einen Gratistest bekommen.“ So oder so sind für den Bund erheb­liche Kosten zusammengekommen. Allein seit Beginn einer separaten Erfassung der „Bürgertests“ durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung Anfang Juli wurden mehr als eine halbe Milliarde Euro dafür abgerechnet.


/picture alliance, Frank Hoermann, SVEN SIMON

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