Chef der Ministerpräsidenten­konferenz wirbt für Coronaimpfungen ab zwölf Jahren

Deutsches Ärzteblatt vom Montag, 2. August 2021

Für Coronaimpfungen für Kinder und Jugendliche von zwölf bis 17 Jahren hat der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), geworben. Die Impfung sei „überhaupt nicht so risikoreich wie viele befürchten“, sagte Müller heute im ARD-„Morgenmagazin“. Dass die Ge­sund­heits­mi­nis­ter von Bund und Ländern die Impfungen für diese Alters­gruppe nun vorantreiben wollen, halte er für „sehr sachgerecht“.

Die Ge­sund­heits­mi­nis­ter wollen die Impfungen in dieser Altersgruppe forcieren, obwohl die Ständige Impfkommission (STIKO) dafür noch keine grundsätzliche Empfehlung gibt. Müller widersprach Forde­rungen, Kinder und Jugendliche einfach ungeschützt zu lassen und sie sich anstecken zu lassen. Es könne auch für Kinder Langzeitfolgen durch eine Coronainfektion geben, sagte der SPD-Politiker.

Müller verteidigte gleichzeitig, dass die Test- und Quarantäneregeln für Urlauber während der laufenden Hochsaison verschärft wurden. Die Entscheidung liege an der Situation in den jeweiligen Reiseländern. „Die Situation hat sich in den letzten Wochen einfach so verändert, dass man so darauf reagieren musste.“

Seit gestern gilt eine allgemeine Testpflicht für Einreisende aus dem Ausland. Rückkehrer aus Hoch­risisko­gebieten müssen eine zehntägige Quarantäne antreten, die frühestens ab dem fünften Tag durch einen negativen Test beendet werden kann. Kinder unter zwölf Jahren können ohne Test nach fünf Tage die Quarantäne beenden.

Trotz gegenteiliger Stoßrichtung der Politik bekräftigt die Ständige Impfkommission ihre Zurückhaltung mit Blick auf Coronaschutzimpfungen für Jugendliche. Derzeit gebe es noch zu wenige Daten zu mögli­chen gesundheitlichen Folgeschäden für Zwölf- bis 17-Jährige, sagte der STIKO-Vorsitzende Thomas Mertens heute im Radiosender NDR Info. „Wir sagen, wir können nicht eine generelle Empfehlung aussprechen, solange wir diesbezüglich nicht die notwendige Datensicherheit haben.“

Die Ge­sund­heits­mi­nis­terinnen und -minister von Bund und Ländern beraten im Laufe des Tages über das weitere Vorgehen bei der Coronaimpfkampagne – dabei sollen auch Impfungen für Jugendliche ab zwölf Jahren eine Rolle spielen.

Einer Beschlussvorlage für die Beratungen zufolge könnte die Runde vereinbaren, dass alle Zwölf- bis 17-Jährigen ab sofort Coronaimpfungen mit den Vakzinen von Biontech/Pfizer und Moderna in Impfzentren erhalten können, aber auch durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte.

Die STIKO empfiehlt die Coronaimpfung bei jungen Menschen derzeit nur, wenn bestimmte Vorerkran­kungen vorliegen. Mertens räumte in dem Radiointerview heute ein, dass er und seine Kollegen den öffentlichen Druck spüren, möglichst schnell zu einer weiter gehenden Entscheidung zu kommen. Dies habe aber keinen Einfluss: „Es kann durchaus sein, dass wir unsere Empfehlung ändern werden, aber sicher nicht, weil Politiker sich geäußert haben“, sagte Mertens. © afp/aerzteblatt.de


/picture alliance, Oliver Berg

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