Breites medizinisches Bündnis für berufsspezifische Impfpflicht

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 12.11.2021


Ein breites Bündnis aus Ärzten, Kliniken und Vertretern der Pflegekräfte spricht sich für die Einführung einer berufsspezifischen Impfpflicht gegen das Coronavirus aus. "Wir begrüßen die aktuelle Stellungnahme des Deutschen Ethikrates, in der er die Bundesregierung auffordert, kurzfristig die Einführung einer berufsbezogenen Impfpflicht zum Schutz besonders vulnerabler Menschen in Einrichtungen des Gesundheitswesens zu prüfen", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Bundesärztekammer, Deutscher Krankenhausgesellschaft, dem Deutschen Pflegerat und dem Verband medizinischer Fachberufe.

Sollte die Politik eine Impfpflicht für bestimmte Einrichtungen und Berufsgruppen einführen, "werden wir dies unterstützen und uns an der Umsetzung beteiligen", schreiben die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner weiter. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hatte sich bereits am vergangenen Wochenende für eine berufsspezifische Impfpflicht ausgesprochen; auch die Diakonie warb für eine Impfpflicht in Pflegeeinrichtungen.

Die mit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes vorgesehenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie seien richtig und notwendig, heißt es in der Erklärung, "sie reichen aber nicht aus, um der drohenden Überlastung des Gesundheitswesens entgegenzuwirken". Weitergehende Sofortmaßnahmen seien dringend erforderlich: Dazu zählten auch bundesweit einheitliche 2G-Regeln für den Zugang zu Angeboten des Öffentlichen Lebens als zwingende Zutrittsvoraussetzung.

"Für Aktivitäten mit besonders hohem Infektionsrisiko, vor allem in Regionen mit hohen Infektionsraten, sollten Antigen-Schnelltests zusätzlich zur 2G-Regelung (2G+) obligatorisch werden", heißt es. Das Vorhaben der Bundesregierung, eine allgemeine und für die Arbeitgeber durchsetzbare 3G-Regel am Arbeitsplatz einzuführen, werde zudem ausdrücklich unterstützt.

Das Bündnis appellierte eindringich an alle Bürgerinnen und Bürger sich impfen zu lassen. Die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern und die Gesellschaft als Ganzes seien jetzt gefordert, Verantwortung zu übernehmen und das Gesundheitswesen vor Überlastung zu schützen.

Am Donnerstag hatte der Ethikrat mit großer Mehrheit für eine berufsbezogene Impfpflicht gegen Covid-19 plädiert. "Beschäftigte, die schwer oder chronisch kranke sowie hochbetagte Menschen beruflich versorgen, wie ärztliches und pflegendes Personal, aber auch Mitarbeitende des Sozialdienstes, der Alltagsbegleitung oder der Hauswirtschaft, tragen eine besondere Verantwortung dafür, die ihnen Anvertrauten nicht zu schädigen", so die Stellungnahme.


/Yakobchuk Olena, stock.adobe.com

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