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Bivalenter Booster wirkt in Studien auch bei Coro­na­variante XBB

Deutsches Ärzteblatt vom Dienstag, 10.1.2023


Eine Boosterimpfung mit einem bivalenten Impfstoff erhöht die Antikörpertiter auch gegen die Coro­na­variante XBB. Dies zeigte sich unter anderem in einer kürzlich veröffentlichten Studie im New England Journal of Medicine (2023; DOI: 10.1056/NEJMc2214293).

Ein bivalenter Booster gegen die Urpsrungsvariante von SARS-CoV-2 und der Omikronvariante BA.5 erhöhte den Antikörpertiter gegen XBB um das 2,5-Fache im Vergleich zu Boostern mit dem ursprünglichen mono­valenten Impfstoff: Das geometrische Mittel der neutralisierenden Antikörperkonzentrationen (GMT; geomet­ric mean titer) war nach einem bivalenten Booster 96 und nach 2 monovalenten Boostern 37. Bei nur einer Boosterimpfung mit dem ursprünglichen Impfstoff war der Titer gegen XBB nicht nachweisbar.

Die Variante XBB.1 wurde laut Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom 22. Dezember 2022 in mehr als einem % der sequenzierten Proben nachgewiesen und breitet sich in Deutschland und anderen Ländern Europas weiter aus. Aktuell ist der Nachfolger XBB.1.5 vor allem in den USA auf dem Vormarsch. Auch in Deutsch­­land wurde die Variante bereits nachgewiesen.

„Aufgrund der Ähnlichkeit der beiden Varianten gehe ich davon aus, dass die Neutralisation von XBB1.5 durch den bivalenten Impfstoff ähnlich ist wie von XBB“, twitterte die Virologin Angela Rasmussen von der Univer­sity of Saskatchewan in Kanada mit Hinweis auf die NEJM-Studie.

Darauf deutet auch ein Preprint chinesischer Forscher hin (BioRxiv 2023; DOI: 10.1101/2023.01.03.522427), über das im Deutschen Ärzteblatt berichtet wurde. Hier zeigte sich im Plasma von Personen, die mit dem chinesischen Impfstoff Coronavac geimpft worden waren, höhere Antikörpertiter gegen XBB.15 als gegen XBB.1. Die Forschenden des Papers schließen daraus, dass die humorale Immunflucht von XBB.15 ähnlich oder sogar etwas geringer ist als von XBB.1.

Wirkung auf XBB geringer als gegen andere Varianten

Im Vergleich zur Antikörperantwort gegen andere Omikronvarianten ist der Antikörpertiter von 96 gegen XBB auch bei einem bivalenten Booster teils deutlich geringer. Während der Antikörpertiter gegen BQ1.1 durch den bivalenten Booster bei 112 lag, lag er gegen BA.5 bei 576.

Damit führte der bivalente Impfstoff jedoch auch gegen alle anderen untersuchten Virusvarianten zu höheren Antikörpertitern als der herkömmliche Impfstoff. Hier zeigte sich nach 2 monovalenten Boostern eine GMT neu­tralisierender Antikörper von 73 gegen BQ1.1 und 250 gegen BA.5. Nach nur einem monovalenten Boos­ter ist die Antikörperantwort gegen alle Varianten noch einmal weitaus geringer als nach 2 monovalenten Boostern.

Am höchsten war die Antikörperantwort in allen Kohorten gegen die Ursprungsvariante. Hier hatten die Per­sonen mit 2 monovalenten Boostern sogar ähnliche hohe Titer wie diejenigen mit einem bivalenten Booster: 2.352 ver­sus 2.481. Bei der Gruppe mit nur einem monovalenten Booster war der Antikörpertiter gegen die Ursprungsva­riante 857.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen weitere Publikationen und Preprints. In einem Preprint vom November (bio­Rxiv 2022; DOI: 10.1101/2022.11.17.516898) beispielsweise, hatten Personen mit einem bivalenten Impf­stoff ebenfalls etwa doppelt so hohe Antikörpertiter gegen XBB als diejenigen mit einem monovalenten Impf­­stoff (84 versus 41).

COVID-19: Bivalenter Impfstoff erzeugt auch Antikörper gegen BQ 1.1

Galveston/Texas – Der an Omikron BA.4/BA.5 angepasste bivalente COVID-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer schützt vermutlich auch vor der BA.1.5-Sublinie BQ.1.1, die sich derzeit in Deutschland ausbreitet. Darauf deuten Laborstudien des Herstellers hin, deren Ergebnisse in bioRxiv (2022; DOI: 10.1101/2022.11.17.516898) veröffentlicht wurden. Nach dem jüngsten Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts

Noch höher ist die Antikörperantwort, wenn Personen eine Kreuzimmunität aufweisen. In einer in Nature erschie­nenen Studie (2022; DOI: 10.1038/s41591-022-02162-x) zeigten sich nach einem bivalenten Booster bei Perso­nen mit Infektionsvorgeschichte ein Antikörpertiter gegen XBB.1 von 103, wohingegen der Titer ohne Infektions­geschichte bei 35 lag. Bei einer 3. Kohorte ebenfalls ohne Infektionsgeschichte führte eine 4. Dosis mit dem monovalenten Impfstoff lediglich zu einer GMT von 15.

In der aktuellen NEJM-Studie untersuchten die Forschenden den Effekt einer eventuell stattgehabten SARS-CoV-2-Infektion nicht. Eine weitere Limitation sehen die Forschenden in den kleinen Gruppengrößen.

Die erste Kohorte bestand aus 12 Personen, denen 7-28 Tage nach einem monovalenten Booster Serum ent­nommen wurde. In der 2. Kohorte waren 11 Personen, deren Seren 6-57 Tage nach einem 2. Booster mit dem monovalenten Impfstoff entnommen wurden. Die 3. Kohorte mit 12 Individuen hatte einen bivalenten Impf­stoff erhalten. Ihre Seren wurden 16-42 nach der Impfung entnommen.

Die Forschenden untersuchten die Antikörperantwort gegen den Wildtyp sowie die verschiedenen Omikron­subvarianten BA.1, BA.5, BA.275.2, BQ1.1 und XBB mithilfe von Lebendviren in einem Neutralisationstest (focus reduction neutralization test = FRNT). Die Teilnehmenden waren entweder mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer oder von Moderna geimpft worden.


/ronnarong, stock.adobe.com

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