Baden-Württemberg plant bei dramatischen Werten Einschränkungen für Ungeimpfte

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 27. August 2021


Baden-Württemberg plant für den Fall einer dramatischen Zunahme von COVID-19-Patien­ten auf den Intensivstationen Einschränkungen für Ungeimpfte. „Die Landesregierung bereitet für den Ein­griffs-Fall bereits jetzt eine entsprechende Corona-Verordnung vor, die unmittelbar in Kraft treten kann“, sagte ein Sprecher des Sozialministeriums.

Er erklärte weiter: „Diese wird insbesondere Restriktionen für Ungeimpfte beinhalten, da das Infektions­geschehen und die damit verbundene Auslastung der Intensivstationen maßgeblich durch diese Gruppe bestimmt wird.“ Solche Eingriffe für Ungeimpfte gelten als rechtlich nicht unproblematisch. Der Entwurf solle in der kommenden Woche in der grün-schwarzen Regierung abgestimmt werden. Die Länder müssen reagieren, weil der Bund angekündigt hat, die 50er-Inzidenz als Leitwert aus dem Infek­tionsschutzgesetz zu streichen.

Über mögliche neue Grenzwerte und Indikatoren werde derzeit intensiv zwischen Bund und Ländern diskutiert, sagte der Sprecher des Sozialministeriums. Es werde aber künftig „Alarmwerte“ geben, ab denen eingegriffen werden müsse.

Die Zahl der Coronaansteckungen stieg indes im Südwesten weiter sprunghaft an. Die Sieben-Tage-Inzidenz liege nun landesweit bei 68,1, teilte das Landesgesundheitsamt mit (Stand: 16 Uhr). Am Vortag hatte der Wert noch landesweit bei 61,7 gelegen.

Allerdings hatte sich Baden-Württemberg schon vor knapp zwei Wochen von der Sieben-Tage-Inzidenz als alleinigem Gradmesser für Einschränkungen verabschiedet. Sofern die Krankenhäuser noch genug Platz für Coronapatienten haben, sind keine größeren Beschränkungen mehr geplant. Derzeit liegen 99 Patienten mit COVID-19 auf Intensivstationen. Das ist ungefähr doppelt soviel wie vor zehn Tagen. Als Grenzwert wird dem Vernehmen nach die Belegung von etwa 300 Intensivbetten diskutiert. Auf dem Hoch der zweiten und dritten Coronawelle seien 640 Intensivbetten belegt gewesen, sagte Stefan Brock­mann, Chef-Virologe des Landesgesundheitsamts. Nach einer Prognose des Landesge­sundheitsamts könnten schon in knapp zwei Wochen mehr als 300 Intensivbetten belegt sein.

Zeitgleich steigt die Zahl der Menschen im Südwesten, die sich während der Urlaubszeit bei einer Reise ins Ausland mit dem Coronavirus angesteckt haben, stark an. Innerhalb der vergangenen zwei Schul­feri­enwochen registrierte das Landesgesundheitsamt 2.294 Fälle, die sich womöglich im Ausland infiziert haben.

Seit Juni gab es 3.710 solcher Fälle. Am häufigsten kamen Menschen aus dem Kosovo mit einer Infektion zurück (773). 583 haben sich wahrscheinlich in der Türkei angesteckt, 426 in Kroatien, 241 in Spanien und 209 in Italien. © dpa/aerzteblatt.de



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