AstraZeneca weist Bericht über geringe Wirksamkeit bei Älteren zurück

26. Januar 2021, 0:23 Uhr Quelle: ZEIT ONLINE, AFP, Reuters,dpa,kzi

Der Impfstoffhersteller AstraZeneca weist Berichte über eine deutlich reduzierte Wirksamkeit seines Impfstoffes bei Menschen über 65 zurück. Die Angaben seien komplett falsch, teilte der Konzern mit. Zuvor hatte die Bild unter Berufung auf interne Gespräche zwischen der Regierung und den Bundesländern berichtet, die Bundesregierung gehe davon aus, dass die Wirksamkeit des Impfstoffs bei Menschen über 65 Jahren nur bei acht Prozent liegen dürfte. Die Vakzine des britisch-schwedischen Pharmakonzerns wird voraussichtlich am Freitag von der EU-Arzneimittelbehörde (Ema) zugelassen.

Ursprünglich planten Bund und Länder dem Bericht zufolge, den AstraZeneca-Impfstoff für ältere Menschen einzusetzen, die zu Hause leben und aus Alters- oder Krankheitsgründen die Impfzentren nicht aufsuchen können. Die Vakzine ist einfacher zu transportieren als etwa der Impfstoff der Hersteller BioNTech und Pfizer.

Auf Anfrage der Bild habe AstraZeneca erklärt, dass die ersten veröffentlichten Daten über die Wirkung des Impfstoffs tatsächlich "auf einer Auswertung von Teilnehmenden im Alter von 18 bis 55 Jahren" beruht hätten. Dennoch erwarte der Hersteller, dass der Impfstoff "in allen Altersgruppen ähnlich" wirksam sei.

Im Streit um Impfstofflieferungen forderte die EU-Kommission zuletzt Einblick in die Daten von AstraZeneca. "Die EU verlangt bis spätestens zum 29. Januar eine Auskunft des Unternehmens, wieso es weniger Impfdosen an die EU liefern will", hieß es aus EU-Kommissionskreisen nach einem weiteren Treffen von Unternehmensvertretern mit Mitgliedern der EU-Staaten. Der Vertrag sehe vor, dass AstraZeneca nicht erst im laufenden Quartal viele Millionen Dosen für die EU produziert, sondern bereits ab dem vierten Quartal 2020.

Eine Sprecherin des schwedisch-britischen Herstellers verwies auf im November vom Fachmagazin "The Lancet" veröffentlichte Daten, wonach Ältere eine starke Reaktion des Immunsystems auf das Mittel gezeigt hätten. Bei 100 Prozent von "älteren Erwachsenen" seien demnach nach der zweiten Impfdosis spezifisch gegen das Coronavirus gerichtete Antikörper erzeugt worden. Allerdings heißt es in einer weiteren Studie, dass es wegen geringer Fallzahlen noch zu wenig Daten zur Wirksamkeit bei älteren Menschen gebe.

Das Gesundheitsministerium hat die Medienberichte über die angeblich sehr geringe Wirkung des Impfstoffes bei älteren Menschen widersprochen. "Auf den ersten Blick scheint es so, dass in den Berichten zwei Dinge verwechselt wurden: Rund acht Prozent der Probanden der AstraZeneca- Wirksamkeitsstudie waren zwischen 56 und 69 Jahren, nur drei bis vier Prozent über 70 Jahre (MHRA Zulassung Public Assessment Report)", teilt ein Sprecher mit. "Daraus lässt sich aber nicht eine Wirksamkeit von nur acht Prozent bei Älteren ableiten."

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will sich nicht an Spekulationen über eine angeblich schlechtere Wirksamkeit des Impfstoffs bei über 65-Jährigen beteiligen. Er wolle warten, bis die Daten aus den Studien ausgewertet worden seien. "Ich halte wenig davon, das jetzt in Überschriften spekulativ zu machen", sagte Spahn am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin. Er sagte, man werde auf Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse nächste Woche entscheiden, "welche Altersgruppen zuerst mit diesem Impfstoff geimpft werden".


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