Astrazeneca: „Verzerrung der Wahrnehmung“ des Vakzins in Deutschland

Deutsches Ärzteblatt vom 5.03.2012

Der Vize-Chef von Astrazeneca in Deutschland stellt eine „Verzerrung der Wahr­neh­mung“ des eigenen Impfstoffs fest. „In Deutschland wird der Impfstoff vor allem bei Jüngeren, also Be­rufstätigen eingesetzt. Diese haben generell stärkere Immunreaktionen und können sich –anders als Rentner – auf der Arbeit krank melden“, sagte Klaus Hinterding, deutscher Vize-Chef des Pharmaunter­nehmens. „Das hat in Deutschland zu einer Verzerrung der Wahrnehmung geführt.“

In vielen deutschen Regionen lag das Mittel von Astrazeneca, das gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelt wurde, in den vergangenen Tagen und Wochen auf Halde – auch, weil etliche Bürger ihre Impfangebote nicht wahrnehmen. Nach ersten Studiendaten und Berichten hatten viele das Mittel wohl für deutlich weniger wirksam oder sicher gehalten als die Impfstoffe von Biontech oder Moderna.

„Ich weiß gar nicht, ob wirklich etwas schief gelaufen ist“, sagte Hinterding mit Blick auf das Image­prob­lem. „Es gingen unglaublich viele Zahlen durch die wissenschaftliche Literatur und auch durch die Ta­ges­presse“, so der Vize-Chef. „Das Wesentliche war immer, dass der Impfstoff mit ganz großer Wirk­sam­keit vor schweren Verläufen der Krankheit schützt.“

Ein weiterer Grund für die großen Mengen an Impfdosen, die derzeit in deutschen Kühlschränken liegen, ist auch, dass vielerorts die zweite Dosis für eine Impfung zurückgelegt wird, um sie beim zweiten Ter­min des Patienten parat zu haben. Anderswo, unter anderem in Großbritannien, vertraut man auch den Liefernachschub und impft, was da ist.

Auch wenn Astrazeneca Schwankungen bei den Lieferungen nicht ausschließen wollte, sagte Hinterding: „Ich persönlich würde keine Unmengen an Impfdosen im Kühlschrank liegen lassen.“ Es bestünde aber keine Gefahr, dass Impfstoff tatsächlich verfalle. Bei Kühlschranktemperaturen sei das Vakzin bis zu sechs Monate haltbar.

Nach neuen Studiendaten aus England und Schottland, die die Wirksamkeit und Sicherheit des Impf­stoffs auch bei älteren Menschen eindeutig belegen, hat die Ständige Impfkommission (STIKO) das Mittel von Astrazeneca mittlerweile auch für Menschen über 65 Jahren empfohlen. In vielen anderen Ländern wurden schon von Beginn an alle Altersgruppen damit geimpft.

Die neue Freigabe könnte den Impfstau in Deutschland entspannen. „Ich bin davon überzeugt, dass es sich in die richtige Richtung entwickelt“, sagte Hinterding. „Die Impfungen sind der einzige Weg aus der Pandemie. Ohne den Astrazeneca-Impfstoff schaffen wir es nicht. Diese Erkenntnis wird sich durch­set­zen.“

In dieser Woche ist erstmals die Lieferung von 250.000 Astrazeneca-Impfdosen aus der EU nach Austra­lien gestoppt worden. Es war die erste Maßnahme dieser Art, nachdem die EU eine Exportkon­trolle von Impfstoffen eingeführt hatte, um eine Benachteiligung der Staatengemeinschaft zu verhin­dern. Zu An­trägen auf Ausfuhren aus der Europäischen Union und konkret zugesagten Liefermengen wollte Hinter­ding sich jedoch nicht äußern. © dpa/aerzteblatt.de



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