Astrazeneca: Spahn verteidigt Freigabe von Intervall zwischen den Impfdosen

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 7. Mai 2021

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat den gestrigen Beschluss von Bund und Län­dern verteidigt, das festgelegte Intervall von zwölf Wochen zwischen der Erst- und Zweitimpfung des Coronavakzins von Astrazeneca aufzu­heben. Damit ist nun ein Abstand zwischen den beiden Dosen von vier Wochen bis zu zwölf Wochen möglich, wie es die Zulassungsdaten vorsehen.

Die Studienlage zeigt derzeit, dass ein größerer Abstand zwischen der ersten und der zweiten Impfdosis zu ei­ner größeren Wirksamkeit des Vakzins führt. Bei einem Abstand von vier bis acht Wochen zwischen den Dosen liegt diese laut Studien bei 50,4 Prozent, bei zwölf und mehr Wochen bei bis zu 82,4 Prozent.

Spahn betonte: „Die Wirksamkeit ist umso höher, desto länger der Abstand zwischen Erst- und Zweitim­pfung ist.“ Auch Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI) sagte, er werde sich erst nach zwölf Wochen mit der zweiten Dosis von Astrazeneca impfen lassen.

Spahn erklärte heute zugleich, dass man sich für diesen pragmatischen Weg entschieden habe. Politik beginne mit der Betrachtung der Wirklichkeit, so der Minister. Und die zeige nun nach dem Beschluss von Bundesrat und Bundestag zu mehr Freiheiten für vollständig Geimpfte und für Genesene, dass sich die Debatte in Deutschland verändert habe.

Nun werde darüber gesprochen, wann man durchgeimpft sei und die zweite Dosis erhalten habe. Ein Intervall von drei Monaten für die zweite Dosis von Astrazeneca schrecke offenbar viele Menschen ab. Augenscheinlich wollten sich viele derzeit nicht mit Astrazeneca impfen lassen, weil sie dann erst im August den vollen Impfschutz bekommen würden.

Wichtig sei aber, dass für die Bekämpfung der Pandemie bereits schon die erste Impfung gegen Corona einen Unter­schied machen könne. Da auch die Erstimpfung schon gegen das Virus schütze, sei so eine geringere Akzeptanz aber für die Pandemiebekämpfung insgesamt nicht gut. „In dieser Phase der Pande­mie haben wir ein großes Interes­se daran, dass viele Menschen sich impfen lassen.“

Die Freigabe von Astrazeneca sei besonders für diejenigen attraktiv, „die nicht so schnell an eine Im­pfung kommen würden“, so Spahn. Aber angesichts der beschränkten Liefermengen gelte auch weiter: „Es können nicht innerhalb von drei oder fünf Tagen oder auch von zwei Wochen alle geimpft werden.“

In der kommenden Woche sollen laut Spahn eine Million Astrazeneca-Dosen an die Arztpraxen geliefert werden, die dann ohne Priorisierung vergeben werden können. Gestern hatten Bund und Länder neben der Verkürzung des Impfintervalls auch die Priorisierung mit einer festen Vorrangliste für diesen Impf­stoff aufgehoben.

Bei den Über-60-Jährigen sind Spahn zufolge je nach Bundesland nun rund 70 Prozent der Bevölkerung geimpft. Em­pfohlen wird das Astrazeneca-Präparat nach Bekanntwerden von sehr seltenen schweren Thrombosen im Gehirn vor allem bei jüngeren Frauen für Menschen ab 60. Aber auch Jüngere können sich in individueller Absprache mit dem Arzt damit impfen lassen.

Nach der Freigabe des Astrazeneca-Impfstoffs für alle Menschen in Deutschland erwarten die Arztpraxen nun eine noch stärkere Nachfrage nach einem Impftermin. „Sicherlich wird es dadurch zu einem erhöh­ten Andrang in den Arztpraxen kommen“, sagte etwa ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Ba­den-Württemberg. Er gehe aber gleichfalls davon aus, dass die Arztpraxen auch entlastet werden, weil sie nicht mehr Patienten nachtelefonieren müssten, um Impfwillige für Astrazeneca zu finden.

Gleichwohl bat der KV-Sprecher die Patienten weiter um Geduld. „Die Aufhebung der Impfpriorisierung führt nicht dazu, dass jetzt auch alle schnell geimpft werden. Dadurch stehen nicht mehr Impfstoff und auch nicht mehr Termine zur Verfügung.“ Sozialminister Manne Lucha (Grüne) hatte den Bund generell aufgefordert, mehr Impfdosen zur Verfügung zu stellen. Der Hausärzteverband hatte sich dem ange­schlossen. © may/dpa/aerzteblatt.de

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, spricht neben Lothar Wieler (l), Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), bei der wöchentlichen Pressekonferenz in der Bundespressekonferenz zur aktuellen Coronalage. /picture alliance, Michael Kappeler

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