Astrazeneca-Impf­stoff in Deutschland nur für Menschen unter 65 Jahren

Mit einer Zulassung des Impfstoffs von Astrazeneca in der Europäischen Union (EU) wird mor­gen gerechnet. Doch schon heute ist klar: In Deutschland sollen das Vakzin nur Menschen unter 65 Jah­ren erhalten. Das geht aus der veränderten Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert-Koch-Institut (RKI) hervor.

Aufgrund der derzeit verfügbaren Daten werde das Vakzin nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren empfohlen, schreibt die STIKO darin. Zur Beurteilung der Impfeffektivität ab 65 Jahren lägen aktuell kei­ne ausreichenden Daten vor. Abgesehen von dieser Einschränkung werde dieser Impfstoff ebenfalls als gleichermaßen geeignet angesehen, heißt es weiter.


Für die Impfemfpehlungen der einzelnen Priorisierungsgruppen bedeutet das, der Astrazeneca-Impfstoff soll im Gegensatz zu den mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna in den einzelnen Stufen „je­weils nur den Personen angeboten werden, die 18-64 Jahre alt sind“.

Die STIKO verweist in den Empfehlungen darauf, dass in den Zulassungsstudien des vektorbasierten Impfstoffs AZD1222 von Astrazeneca in der Altersgruppe der 18- bis 64-Jährigen eine Wirksamkeit von 71 Prozent gegen eine laborbestätigte COVID-19-Erkrankung ermittelt worden sei. Für die Impfung sind demnach zwei Dosen erforderlich, die nach STIKO-Empfehlung im Abstand von neun bis zwölf Wochen verabreicht werden sollen.

Die häufigsten lokalen Reaktionen sind laut STIKO Schmerzen an der Einstichstelle gewesen. Dabei sei berücksichtigen, dass ein ACWY-Impfstoff als Vergleichsintervention eingesetzt worden sei. Unter den systemischen Reaktionen waren demnach Abgeschlagenheit sowie Kopfschmerzen.

Darüber hinaus schreibt die STIKO, dass das Vakzin von Astrazeneca bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder seine sonstigen Bestandteile kontraindiziert ist. Zur Koadministration mit anderen Impf­stoffen seien bislang keine Daten verfügbar.

Zur Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit liegen laut STIKO ebenfalls aktuell keine Daten vor. „Die STIKO empfiehlt die generelle Impfung in der Schwangerschaft derzeit nicht. Eine akzidentelle Im­pfung in der Schwan­gerschaft ist jedoch keine Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch“, heißt es dazu weiter.

Schwangeren mit Vorerkrankungen und einem daraus resultierenden hohen Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung können den Empfehlungen zufolge in Einzelfällen nach Nutzen-Risiko-Abwägung und nach ausführlicher Aufklärung eine Impfung angeboten werden. „Die STIKO hält es für unwahr­schein­lich, dass eine Impfung der Mutter während der Stillzeit ein Risiko für den Säugling darstellt“, so die Experten.

Die Immunogenität, Wirksamkeit und Sicherheit des Impf­stoffs bei Immunsupprimierten seien bislang nicht untersucht worden. Es sei zu erwarten, dass die Wirksamkeit des Impfstoffs bei immunsuppri­mier­ten Personen in Abhängig­keit von Art und Ausmaß der Immundefizienz geringer sei. Hingegen sei in Analogie zu Totimpfstoffen nicht von einer reduzierten Sicherheit des Impfstoffs bei immunsuppri­mier­ten Patienten auszugehen.


In den „Hinweisen zur praktischen Umsetzung“ weist die STIKO nochmals generell für alle Impstoffe da­rauf hin, dass in den Priorisie­rungsempfehlungen nicht alle Krankheitsbilder explizit genannt werden können. „Es obliegt daher den für die Indikationsstellung Verantwortlichen, in Einzelfällen Personen, die nicht explizit im Stufenplan genannt sind, angemessen zu priorisieren“, so die STIKO.

Sie gibt auch den Hinweis, dass bei sehr alten Menschen oder Menschen mit progredienten Krankheiten, die sich in einem schlechten Allgemeinzustand befinden, „die Impffähigkeit gegeben sein“ muss. Bei diesen Gruppen sollte sorgfältig geprüft, ob ihnen die Impfung mit möglichen Impfreaktionen empfoh­len werden könne.

Die Empfehlungen in Bezug auf Schwangerschaft und Stillzeit, die die STIKO für das Vakzin von Astra­zeneca angibt, gelten im Wesentlichen auch für die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna. In der EU sind bislang nur diese beiden Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 zugelassen. © may/dpa/afp/aerzteblatt.de


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