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App-Studie: Geboosterte erholen sich 3 Tage schneller von Omikron

Deutsches Ärzteblatt vom Freitag, 8. April 2022


Das Symptomspektrum von COVID-19 hat sich seit der Verbreitung der Omikron-Variante ver­ändert. Von den klassischen Symptomen tritt vor allem der Geruchsverlust seltener auf. Die Infektio­nen verlaufen insgesamt milder und führen zu weniger Hospitalisierungen als in der vorausgegangenen Delta-Welle. Die Patienten erholen sich schneller, vor allem wenn sie geboostert sind.

Dies geht aus der neuesten Auswertung der „COVID Symptom Study“ im Lancet (2022; DOI: 10.1016/S0140-6736(22)00327-0) hervor. Die Studie basiert auf den Angaben von Nutzern der ZOE-App, die ein Team um den Epidemiologen Tim Spector vom King’s College London bereits seit März 2020 in den App-Stores von Apple und Google anbietet. Die Apps bittet die Nutzer im Fall einer Infektion um die tägliche Eingabe von 32 möglichen Symptomen und um Auskünfte zu Komplikationen und Hospitalisierungen. Die App ist in Großbritannien sehr populär mit 1 Mio. Downloads in den ersten 24 Stunden. Bis Juli 2021 war die Zahl auf 4,6 Mio. gestiegen, von denen 1/4 die App auch nutzen.

In der jüngsten Analyse haben die Forscher die Angaben von 63.002 Nutzern ausgewertet, die zwischen dem 1. Juni 2021 und dem 27. November 2021, als Delta das Infektionsgeschehen bestimmte, und zwischen dem 22. Dezember 2021 und dem 17. Januar 2022 während dem 1. Teil der Omikron-Welle (BA.1) erkrankt waren. In einem direkten Vergleich wurden jeweils 4.990 Personen aus den beiden Wellen gegenübergestellt, die sich in Alter, Geschlecht und im Impfstatus glichen.

Da die Nutzer der App mit durchschnittlich 40 Jahren relativ jung waren, kam es selten zu Hospitalisie­rungen. Während der Delta-Welle mussten 2,6 % der Infizierten im Krankenhaus behandelt werden, in der Omikron-Welle waren es nur noch 1,9 %. Spector ermittelt eine Odds Ratiovon 0,75, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,57 bis 0,98 signifikant war. Die Patienten mussten also während der Omikron-Welle zu 25 % seltener in einer Klinik behandelt werden.

Eine Erkrankung mit der Omikron-Variante verlief nicht nur milder. Auch das Symptomspektrum hat sich verändert. Am auffälligsten war dies beim Verlust des Geruchssinns, der während der Delta-Welle bei 52,7 % der Patienten auftrat, in der Omikron-Welle jedoch nur bei 16,7 % der Patienten (Odds Ratio 0,17; 0,15-0,19).

Infektionen mit Omikron führten dagegen häufiger zu Halsschmerzen und zu einer heiseren Stimme – ein möglicher Hinweis darauf, dass die Erkrankungen sich öfter auf die oberen Atemwege konzentrierten. Symptome wie kognitive Störungen („brain fog“), Schwindel, Fieber und Kopfschmerzen, die auf eine systemische Erkrankung hinweisen, wurden in der Omikron-Welle signifikant seltener angegeben.

Auch die mediane Krankheitsdauer hat sich von 8,89 Tagen in der Delta-Welle auf 6,87 Tage in der Omikron-Welle verkürzt. Hier machte sich auch der Einfluss der Boosterung bemerkbar. Bei Patienten mit Grundimmunisierung ging die mediane Krankheitsdauer von 9,57 auf 8,30 Tage zurück. Geboosterte Pa­tienten hatten in der Delta-Welle median 7,71 Tage und in der Omikron-Welle nur 4,40 Tage Symptome. In der Omikron-Welle waren die Geboosterten etwa 2,5-fach häufiger innerhalb einer Woche wieder fit als in der Delta-Welle (Odds Ratio 2,49; 2,10-2,95).




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